Siloah St. Trudpert Klinikum, Klinik für Allgemein-, Viszeral, Thorax- und minimal-invasive Chirurgie
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Klinik für Allgemein-, Viszeral, Thorax- und minimal-invasive Chirurgie

Lungenkrebs

Bösartige Tumore der Lunge teilen wir im Wesentlichen in vier Untergruppen auf:

  • Kleinzellige Karzinome
  • Adenokarzinome
  • Plattenepithelkarzinom
  • Großzellige Karzinome


Das Kleinzellige Karzinom (Haferzellkarzinom) macht 20 bis 25% der Bronchialkarzinome aus und ist auf Grund seines raschen Wachstumsverhaltens besonders gefährlich. Nur selten, meist als Zufallsbefund, wird es in einem frühen Stadium (limited disease) entdeckt und kann operativ behandelt werden. In ca. 80% der Fälle wird es in einem fortgeschrittenen Stadium (extensive disease) diagnostiziert.
Die anderen drei Formen werden auch als Nicht-Kleinzeller bezeichnet und haben eine bessere Prognose als das Kleinzellige Bronchialkarzinom.

Untersuchungen

Meist nehmen wir zunächst eine Röntgenuntersuchung des Brustraums (Thorax) vor. Bei auffälligen Befunden stehen Computertomographie und Spiegelung der Luftwege (Bronchoskopie) mit der Möglichkeit Gewebe zu gewinnen im Vordergrund der weiteren Diagnostik. Fallen uns in der CT vergrößerte Lymphknoten im Mittelfell (Mediastinum) auf, kann eine Spiegelung des Mittelfells (Mediastinoskopie) erforderlich sein. Während wir eine Bronchoskopie wie Magen- und Darmspiegelung in Sedierung (Beruhigungsschlaf) und ggf. örtlicher Betäubung vornehmen, stellt die Mediastinoskopie eine Operation dar. Hierzu ist eine Vollnarkose erforderlich. Über einen Schnitt am Hals nehmen wir die Spiegelung mit Entnahme von Proben aus den Lymphknoten vor.

Können wir vor der geplanten Operation das Wachstumsverhalten (gutartig oder bösartig) nicht eindeutig klären, steht uns in einigen Fällen die „Schlüsselloch“-Methode (VATS = video-assisted thoracic surgery) als weniger belastender Eingriff zur Verfügung, der aber bei Vorliegen eines Bronchialkarzioms dann als offene, herkömmliche Operation mit Brustraumeröffnung (Thorakotomie) fortgesetzt werden muss.

Besonders wichtig ist, dass wir bei allen Patienten, die an der Lunge operiert werden müssen, die Funktion von Herz und Lunge gut untersuchen und ggf. vor der Operation verbessern. Die Herzfunktion können wir besonders gut und zuverlässig mit einem Herzultraschall (Echocardiographie, kurz Echo) untersuchen. Die Kapazität der Lunge bestimmen wir durch Messung unterschiedlicher Atemvolumina. Die so genannte LuFu (Lungenfunktionsuntersuchung) ist wie das Echo weder schmerzhaft noch belastend.

Therapie

Zentraler Bestandteil der Therapie ist die vollständige Entfernung des Tumors mit dem entsprechenden Lungenabschnitt. Zusätzlich entfernen wir Lymphknoten, um das Tumorstadium (Größe des Tumors, Ausbreitung in den Lymphknoten) feingeweblich beurteilen zu können.
Bei den meisten Stadien schließen wir an die Tumoroperation eine medikamentöse Therapie (Chemotherapie) an. In seltenen Fällen führen wir vor der geplanten Operation eine Chemotherapie durch. Ziel ist eine Verkleinerung von Tumorgewebe, um eine Operation zu ermöglichen.
Kann eine Operation nicht erfolgen (z.B. weil Organmetastasen vorliegen oder der Allgemeinzustand des Patienten einen Eingriff an der Lunge nicht zulässt) können wir auch eine Strahlen- und/oder Chemotherapie anwenden.

Operative Technik

Der Mensch besitzt rechts und links einen Lungenflügel, der sich rechtsseitig in drei, linksseitig in zwei Lappen aufteilt. Weiter kann die rechte Lunge in zehn Segmente, die linke in neun Segmente aufgeteilt werden. Auf der linken Seite ist ein Segment durch die Lage des Herzens verkümmert.
Entscheidend für das operative Vorgehen sind der Sitz des Tumors und die verbleibende Lungenkapazität. Bei Tumoren der Lungen ist meist die Entfernung eines Lungenlappens (Lobektomie) erforderlich. Auf der rechten Seite verbleibt auch nach der Entfernung von zwei Lappen (Bi-Lobektomie) Lungengewebe. In seltenen Fällen müssen wir einen ganzen Lungenflügel entfernen. Hier sprechen wir von einer Pneumonektomie oder Pneumektomie. Diese Form der Behandlung setzt aber eine sehr gute Funktion der Restlunge und des Herzens voraus.

Wenn wir Eingriffe an der Lunge mittels der „Schlüsselloch“-Methode (VATS) durchführen, entfernen wir im Allgemeinen kleine Anteile des Lungengewebes und zwar ohne Bezug zu den anatomischen Lungengrenzen. Daher spricht man auch von atypischer Resektion.

Verlauf

Die Prognose des Bronchialkarzinoms ist sehr vom Stadium abhängig. Zudem muss das Kleinzellige Karzinom von den Nicht-Kleinzelligen Tumoren unterschieden werden, da seine Prognose deutlich schlechter ist. Erkennen wir den Tumor früh und finden wir bei der feingeweblichen Aufarbeitung keine befallenen Lymphknoten, sind Heilungen bei bis zu 70% der Patientinnen und Patienten möglich. Andererseits entdecken wir immer noch viele Lungentumore erst, wenn eine Absiedlung in anderen Organen oder Lymphknoten stattgefunden hat. In diesen Fällen ist die Prognose deutlich schlechter.